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Einfach erklärt: Die Insulintherapie

Jeder Mensch ist anders. Deshalb gibt es nicht nur die eine Insulintherapie. Hier erfährst du, wann Insulin zur Behandlung von Diabetes eingesetzt wird, und wie das aussehen kann.

Wann eine Insulintherapie zum Einsatz kommt

Insulin ist ein körpereigenes Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird und eine wichtige Rolle beim Zuckerstoffwechsel spielt. Bei Diabetes, einer Stoffwechselerkrankung, ist jedoch nicht ausreichend Insulin im Körper vorhanden. Typ 1 Diabetes erfordert in der Regel ab dem Zeitpunkt der Diagnose eine Insulintherapie, weil eine überschießende Immunreaktion die insulinproduzierenden Zellen zerstört (das Immunsystem richtet sich gegen den eigenen Körper bzw. die eigenen Körperzellen).

Bei Typ 2 Diabetes kommen verschiedene Maßnahmen wie Bewegung, eine Ernährungsumstellung sowie blutzuckersenkende Medikamente zum Einsatz. Die Zugabe von pharmazeutisch hergestelltem Insulin kann diese Behandlungsformen ergänzen, vor allem, wenn die Bauchspeicheldrüse z. B. mit Fortschreiten der Erkrankung selbst nicht mehr genug Insulin herstellen kann.

Ob und wann du eine Insulintherapie beginnen solltest, entscheidet dein Arzt oder deine Ärztin. Regelmäßige Untersuchungen und Gespräche mit den behandelnden Ärzt:innen sind Teil der Insulintherapie. Denn der Insulinbedarf und andere wichtige Faktoren können sich im Laufe der Zeit ändern. Entsprechend wird auch die Behandlung neu ausgerichtet und angepasst.

Insulintherapien bei Typ 1 Diabetes

Für die Behandlung der Autoimmunerkrankung gibt es zwei gängige Therapieformen mit Insulin: die Insulinpumpentherapie (CSII) und die intensivierte konventionelle Therapie (ICT).

Die Insulinpumpentherapie

Eine Insulinpumpe ist ein kleines Gerät, das dicht am Körper getragen wird. Über einen Schlauch und einen Katheter gibt die Insulinpumpe regelmäßig geringe Mengen des Hormons ins Unterhautfettgewebe ab – ein bisschen wie eine externe Bauchspeicheldrüse. Wenn sich der Insulinbedarf im Laufe des Tages ändert, beispielsweise zu Mahlzeiten oder bei körperlicher Aktivität, kann die benötigte Zufuhr von Insulin an der Pumpe genau eingestellt werden. Bei der Insulinpumpentherapie kommt ausschließlich eine Insulinart zum Einsatz, deren Wirkung sich schnell entfaltet und kurz anhält – sogenanntes Bolusinsulin.

Die intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT)

Bei der intensivierten Insulintherapie werden zwei Insulinarten verabreicht: langwirksames Basalinsulin und kurz wirkendes Bolusinsulin. Die Therapieform heißt deshalb auch Basal-Bolus-Therapie. Die Gabe des jeweiligen Insulins erfolgt in der Regel über einen Insulinpen. Das herkömmliche, langwirksame Basalinsulin deckt den Grundbedarf ab und wird je nach Insulinpräparat zweimal täglich verabreicht. Das kurzwirksame Bolusinsulin deckt den zusätzlichen Bedarf nach Mahlzeiten ab und wird auch zur Korrektur gespritzt.

Insulintherapien bei Typ 2 Diabetes

Die oben beschriebene intensivierte Insulintherapie findet auch bei Typ 2 Diabetes Anwendung. Darüber hinaus gibt es viele weitere Ansätze zur Behandlung von Typ 2 Diabetes, bei denen unterschiedliche Insulinarten zum Einsatz kommen. Hier eine Übersicht:

Die konventionelle Insulintherapie (CT)

Wie bei der intensivierten konventionellen Insulintherapie zielt auch die konventionelle Insulintherapie darauf ab, den Grundbedarf des Körpers an Insulin sowie den Bedarf nach den Mahlzeiten zu decken. Dafür werden oftmals sogenannte Mischinsuline verabreicht. Dies sind fertige Kombinationspräparate, die einen kurz- und einen langwirksamen (NPH-verzögerten) Insulinanteil enthalten. Die Zusammensetzung variiert je nach Präparat.

Die supplementäre Insulintherapie (SIT)

Die supplementäre Insulintherapie kombiniert Antidiabetika (meist in Tablettenform) mit kurz wirksamem Insulin, das zu den Mahlzeiten gespritzt wird. So wird der Bedarf nach der Nahrungsaufnahme mit zusätzlichem Insulin ausgeglichen.

Die basalunterstützte Oraltherapie (BOT)

Auch bei der basalunterstützten Oraltherapie werden Medikamente zum Einnehmen mit Insulinpräparaten kombiniert. Allerdings handelt es sich hierbei um langwirksames Basalinsulin, das in seiner herkömmlichen Form ein- bis zweimal täglich verabreicht wird. So wird der Grund- bzw. Basalbedarf abgedeckt.

Die basalunterstützte Inkretintherapie (BIT)

Bei dieser Behandlungsform wird Basalinsulin mit einem GLP-1-Rezeptoragonisten, einem blutzuckersenkenden Arzneimittel, kombiniert. GLP-1 stimuliert die Ausschüttung von körpereigenem Insulin und hemmt Glucagon, ein blutzuckersteigerndes Hormon.

Wie ist das bei dir?

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Was bei der Insulintherapie zu beachten ist

Die Insulintherapie richtet sich nach deiner individuellen Stoffwechsellage und anderen Faktoren, die sich im Laufe der Zeit ändern können. Damit du mit Insulinpräparaten ein gutes Leben mit Diabetes führen kannst, ist es wichtig, am Ball zu bleiben und vereinbarte Ziele umzusetzen. Neben der täglichen Überprüfung deines Blutzuckers zu Hause solltest du regelmäßige Kontrolltermine bei deinem Arzt oder deiner Ärztin wahrnehmen. Ggf. wird eine Anpassung nötig, damit die Behandlung zu deiner aktuellen Situation passt.

Auch wenn die Zugabe von Insulin die ein oder andere Herausforderung mit sich bringt – sie hilft, das Leben mit Diabetes zu verbessern und erlaubt mehr Flexibilität als gedacht. In Kombination mit der regelmäßigen Blutzuckerkontrolle, Antidiabetika und Routinen wie körperlicher Aktivität kannst du außerdem das Risiko für Folgeerkrankungen erheblich reduzieren.

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